Der Weg allen Fleisches: Gyorgy Palfis 'Taxidermia'

Gyorgy Palfis „Taxidermia“ ist eine Drei-Gänge-Tortur aus versautem Sex, olympischer Völlerei und autoerotischer Zerstückelung. Es ist aber auch ein nachhaltiges, einzigartiges Kunstwerk und es ist das Durcheinander wert. Der Film ist ein Triptychon, dessen erste beiden Abschnitte auf Geschichten des ungarischen Schriftstellers Lajos Parti Nagy basieren (die dritte ist eine Originalgeschichte von Palfi und seiner Frau Zsofia Ruttkay und sie haben auch das Drehbuch geschrieben). Er zeichnet drei Generationen von Männern auf geführt und gequält von Urwünschen. Ein nervöser, zurückgezogener Soldat aus dem Zweiten Weltkrieg kann sein brennendes sexuelles Verlangen nicht kontrollieren. sein riesengroßer Sohn, ein konkurrenzfähiger Geschwindigkeitsfresser in Nachkriegsungarn, strebt nach Erfolg und Respekt; und ein heimgesuchter Enkel kümmert sich um seinen jetzt massiven, unbeweglichen Vater und plant die ultimative Präparation der Haut. „Taxidermia“ fungiert als Fabel, kommuniziert jedoch in Eingeweiden, einem Verstoß gegen Fleisch und Phantasie.

Palfis Ästhetik erinnert an die Arbeit von Fabulisten wie Tim Burton, Terry Gilliam und Jan Svankmajer, aber er ist tatsächlich ein flüssigerer Filmemacher als diese drei; sein Ansatz ist weniger dioramisch und atemlos assoziativ, gründlicher surrealistisch. Er zeigt selten seine genialen Momente, stattdessen stürzt er sich tiefer in unbewusste Impulse und Visionen. Und obwohl sich sein dekadentes, dystopisches Weltbild des verfallenen Lebens wie gebraucht anfühlt, ahnt seine unersättliche Kamera den Hunger nach Leben, das Feiern der visuellen Möglichkeiten. Es ist diese Freude am Schaffen, die den Film so fesselnd macht, auch wenn er einen stetigen, buchstäblichen Strom körperlicher Ablehnung und Produktion überträgt. Nach bloßem Erbrechen, blutigem Ejakulationsvolumen zu urteilen, ist Palfis zweiter Spielfilm mit Abstand der gröbste Film des Jahres. In Bezug auf das Schießen ist es auch eines der beeindruckendsten.

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Der Film beginnt mit Vendel Morosgovanyi, einem unglücklichen Soldaten an einem vereisten Außenposten. Seine sexuellen Enttäuschungen sind im Großen und Ganzen komisch: Ein Hahn pickt ihn an den Schwanz, als er versucht, mit einem Loch in der Wand zu kopulieren; er schmeichelt der prallen Frau des Leutnants; er humpelt eine Seite vom Schweinefleisch. Befriedigung und Kraft findet er jedoch in der Fantasie, sei es, wenn er sich in ein Pop-up von Hans Christian Andersons „The Little Match Girl“ (wo er sie mit zuckerüberzogenem Schmutz vorschlägt) hineinversetzt oder eine brennende Kerze liebt und sinnlich an der Kerze lutscht Flamme in seinen tief gespaltenen Harelip und entzünde ihn an der Spitze seines Penis. Wie von Csaba Czene (der Elias Koteas in seiner beunruhigendsten Erotik kanalisiert) erkannt wurde, ist Vendel kühn und stolz, harmlos und bedrohlich, augenblicklich und zum Scheitern verurteilt. Hier sind Sex und Tod brutal untrennbar miteinander verbunden, ein Thema, das Palfi im Mittelteil anspricht, bevor er sich im Finale offener damit auseinandersetzt.



Es ist passend, dass Vendel seinem angeblichen Enkel Lajos (Mark Bischoff), dem dürren, selbstverbrennenden Präparator, am ähnlichsten ist. Dennoch verwirrt Palfi die väterliche Linie. Ist der mittlere Mann, konkurrenzfähiger Überesser Kalman (Gergo Trocsanyi), wirklich Vendels Brut? Ist Lajos wirklich sein Sohn? Ein Mann zeugt einen anderen in der Erzählung, aber es gibt mehrere Bewerber bei jeder Vorstellung - seien es romantische Rivalen oder verspielte Schweine -, um die Vorstellung zu untergraben, dass Genealogie einen Einfluss auf das brutale Erbe der Natur hat.

Obwohl jeder Abschnitt als freistehendes Stück funktionieren könnte, lädt Palfi den Betrachter ein, visuelle und textuelle Reime zu erkennen, und er moduliert den Ton sowohl innerhalb als auch zwischen den Abschnitten. Der erste Abschnitt ist reich an sexueller Symbolik, aber die Repräsentation schwankt immer wieder ins Undurchschaubare. Die zweite beginnt als politische Satire, eine hohe Comic-Allegorie des Lebens unter sowjetischer Herrschaft, die sich dann zu einer Charakterstudie und Romanze aufbaut. Sehstörungen fetter Menschen, die zu viel essen, weichen nach und nach Schüssen korpulenter Körper als sinnliche, ja sinnliche Orte des Staunens. Selbst widerspenstige, längere Sequenzen von Erbrechen von Konkurrentengruppen in schwimmbeckengroßen Behältern erhalten eine gewisse heitere Schönheit: Offene Münder sind befriedigte Wasserhähne, Augen werden in einer Ekstase der Befreiung geschlossen. Der von Palfi verfasste dritte Abschnitt baut auf Nagys körperlichen Überlegungen auf und verleiht dem zeitgenössischen Miserablismus gotischen Horror, bevor er in einem morbid realisierten Werk der „Körperkunst“ gipfelt, das flagrant ist - oder ist es ironisch? - bringt alles zusammen.

Die Formänderung von 'Taxidermia' scheint weniger ein schlauer Ausweichmanöver als ein Ausdruck philosophischer Zweideutigkeit zu sein, und obwohl diese Zweideutigkeit - zumindest so mutwillig wie tiefgreifend - einer genaueren Prüfung bedarf, ist Palfis Film immer noch eine anhaltende, bemerkenswert artikulierte Vision. Für einen letzten Schuss geht Palfi direkt zurück und rückt in den Nabel eines höhlenartigen Leichnams zu den dunklen Ursprüngen des Vertrauten und Undurchschaubaren vor.

[Ein IndieWIRE-Review von Reverse Shot.]

Spiele der Throne Staffel 7 Folge 4

[Eric Hynes ist ein Reverse Shot-Autor.]

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