RÜCKBLICK | Sinnlos aber süß: Xavier Dolans 'Herzschlag'

Ein hyperstylisiertes 'Jules and Jim' -Update, die französische Romanze 'Heartbeats' ('Les Amour Imaginaires') des kanadischen Schauspielers und Filmemachers Xavier Dolan, ist so hip, wie er es beabsichtigt. Gleichzeitig fühlt sich dieser schicke Blick auf ein bisexuelles Liebesdreieck gelegentlich zu sehr in seine eigenen coolen Manöver verwickelt. Über die subtil glaubwürdigen Beziehungen seines Regiedebüts von 2009, „I Killed My Mother“, hinaus, hat Dolan offenbar eine Obsession von filmischer Überbewertung gepflegt - wenn auch eine effektive.



Innerhalb von Minuten nach der Eröffnungsszene wurde das Kerndrama eingerichtet. Dolan übernimmt die Rolle von Francis (eine Anspielung auf Truffaut?), Einem schwulen 25-jährigen Mann, der ständig von seiner besten Freundin Marie (Monia Chokri) begleitet wird. Nachdem das Duo dem selbstbewussten Reisenden Nicolas (Niels Schneider) bei einem geselligen Beisammensein begegnet war, entwickelte es schnell eine gemeinsame Bindung an den unbekümmerten Gefährten, die offensichtlich die bestehende Freundschaft bedroht. In Kürze landen die drei zusammen im Bett, allerdings nicht für die Zwecke, die sowohl Francis als auch Marie suchen. Nicolas ist auf der Suche nach einem Ort zum Absturz und arbeitet sich langsam in das Leben der Charaktere ein, wobei er mit Motiven arbeitet, die niemals scharf werden. In Dolans klügstem Schachzug strebt „Heartbeats“ danach, Nicolas 'Persönlichkeit herauszuarbeiten, um seine psychologischen Auswirkungen auf andere zu verstärken.

Dolan arbeitet im Rahmen einer rudimentären Geschichte und beschleunigt seine Technik und behält sie für die Dauer der Laufzeit bei. Obwohl Francois Truffauts erwähnte Laune den Rahmen für die Geschichte bildet, scheint Dolan Pedro Almodóvar genauere Hinweise gegeben zu haben: Er wendet sich wiederholt vertrauten visuellen Tricks zu, um dem Szenario Eleganz zu verleihen, als würde er von seinen ständigen Redundanzen ablenken. Zeitlupe ist ein häufiger Effekt. Sinfonische Musik übertreibt absichtlich die Stimmung. Ein stetiger Ansturm poetischer Bilder, von denen sich ein Großteil vorstellte, erreicht oft überwältigende Ausmaße. (In einem besonders unentgeltlichen Moment, der die Grenzen der Lyrik weiter verschiebt, als es eigentlich sein sollte, stellt sich Francis vor, Nicolas sei mit einem Hagel von Marshmallows bedeckt.)



All dies und doch klingt „Heartbeats“ zusammen mit einem süßen, einnehmenden Ton, der einfach nie sein volles Crescendo erreicht. Einzelne Momente vermitteln den wachsenden Konflikt zwischen Francis und Marie, ohne dass es einer einzigen melodramatischen Auseinandersetzung bedarf. Die letzte Einstellung deutet eindrucksvoll auf den endlosen Kreislauf unpassender Balz hin. Wenn die Credits rollen, hat jedoch wenig von dem Material, das ihnen vorausging, viel Ausdauer.



Mit „I Killed My Mother“ hat Dolan im Alter von 20 Jahren seine bemerkenswert ausgefeilte Fähigkeit unter Beweis gestellt, eine emotional überzeugende Familiendynamik mit zwei Kernleistungen zu schaffen. Hier geht er den umgekehrten Weg, weg von der heiklen humanistischen Perspektive, um mit sexuellen Spannungen zu spielen. Das Ganze wirkt wie eine fluffige Übung von einem Mann, dessen Talent besser durch künstlerischen Fortschritt gedient hätte, aber es ist schön zu wissen, dass er ein breites Spektrum hat. jetzt sollte er eine Strategie finden, um die Anschauungen seines ersten und zweiten Wesens zu einem einheitlichen Ganzen zu verschmelzen. Vielleicht eine tiefe, glaubwürdige Romanze?

In gewisser Weise zeigt „Heartbeats“, dass Dolan als angehender Filmemacher viel im Sinn hat. Der Film ist ein klassisches Grübeln über das einzelne Thema, das er immer wieder nach Hause fährt, und vermeidet bloße Redundanz nur, weil die Produktion so geschickt aufgebaut bleibt. Zum Auftakt zitiert der Dichter Alfred de Musset: 'Die einzige Wahrheit ist Liebe jenseits der Vernunft.' Infolgedessen verkörpert es ungewollt Mussets Rat: 'Heartbeats' fehlt sowohl die Glaubwürdigkeit als auch ein solider Grund zu existieren. Das Endprodukt ist ziellose Liebe von Anfang bis Ende.

criticWIRE-Note: B

Diese Rezension wurde ursprünglich während der indieWIRE-Berichterstattung über die Filmfestspiele von Cannes 2010 veröffentlicht. 'Heartbeats' kommt diesen Freitag, den 25. Februar, in die Kinos.



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