Ab und zu: Mizoguchis bitteres Meisterwerk 'Das Leben von Oharu' ist jetzt von Criterion

Regisseur Kenji Mizoguchis „The Life of Oharu“ (1952), neu erhältlich in einer hochauflösenden digitalen Restaurierung aus der Criterion Collection, ist voller Widersprüche. Es ist episch und doch zart, spielt im feudalen Japan, wird aber von modernen Ängsten belebt und ist gleichzeitig ein traditioneller Picaresque und ein mutiger feministischer Klassiker.



Diese Spannungen entstehen in den ersten Momenten des Films, als Oharu (Kinuyo Tanaka), eine alternde Prostituierte, sich vor der nächtlichen Kälte schützt. Mizoguchi hebt gegen schwere Schatten malerische Kulissen hervor - einen Pinselstrich aus Wolken, entfernte Kleckse aus dem Garten - und sogar ein bisschen grimmigen Humor. Oharu erzählt von ihrer Demütigung durch einen älteren Weisen früher in dieser Nacht und merkt ironisch an, dass der Mann sie als 'eine Lektion in karmischer Vergeltung' betrachtete.

Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Der erweiterte Rückblick auf Oharus Vergangenheit, der den Großteil der 136-minütigen Laufzeit des Films ausmacht, ist eine Reihe von unglücklichen Ereignissen, eine Kaskade von Empörung, der Oharu widersteht, die er jedoch nur selten anstachelt. Ihr Verbrechen - die Hybris, den Willen der Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft zu behaupten - scheint für moderne Augen ein mutiger, gescheiterter Schachzug zu sein, eine Revolution von einem.



Mizoguchi stellt diesen trostlosen Niedergang von der Adligen zur Bettlerin mit wunderschönen Kompositionen gegenüber, als ob der Glanz des Wohlstands nicht viel mehr als Vergoldung auf Scheiße ist. Das symmetrische Gleichgewicht zweier Figuren, die das bereits perfekte Gras auf einem kunstvollen Gelände harken, oder die geschichtete Choreografie von Spaziergängern in einem sonnigen Park, glauben dem Ekel des Regisseurs gegenüber Oharus Gesellschaft - und seiner eigenen.



In „The Life of Oharu“ wird die rasche Modernisierung des Nachkriegsjapan mit der gleichen Ambivalenz wie in Yasujiro Ozu's „Tokyo Story“ (1953) untersucht. Während Ozu's zärtliches, bedauerndes Bild die Trennung beklagt, die diese neue Welt hervorgebracht hat, ist Mizoguchi ein saures Zeugnis seiner Gier. Ein Geschäftsmann verbeugt sich vor dem Geldhaufen, den ein Kunde auf den Boden schüttet. Arbeiter krabbeln wie Ameisen zu Melasse nach verirrten Münzen; Oharus Vater ist positiv besorgt über die Aussicht, sie in ein Konkubinat zu verkaufen.

In dieser Hinsicht ist der treffendste Vergleich möglicherweise nicht Ozu oder Akira Kurosawa, sondern Douglas Sirk. In seinen zeitnahen Hollywood-Melodramen spielte Sirk den schönen Kunstgriff des auffälligen Konsums gegen die hässliche Unterseite des amerikanischen Traums. Und nicht weniger als die opulenten Innenräume von Sirk und die schaumigen 'Drei-Taschentücher-Handlungen' durchquert 'The Life of Oharu' intimes, scheinbar 'weibliches' Terrain - Liebe, Ehe, Geburt, Schönheit -, das seine subversiven politischen Ziele verdeckt.

Als ein Feudalherr seinen Abgesandten nach Oharus Stadt schickt, um eine Konkubine für ihn zu finden, stellen sich die Kandidaten wie Fleischstücke zur Inspektion an, die gestoßen, geguckt, beurteilt und beiseite geworfen werden. Nach Mizoguchis kritischer Einschätzung lassen leichtes Geld und grausame Macht die Körper von Frauen die Zeit der Warenboomer boomen, die sie gekauft, besessen und verletzt haben. 'Ich bin keine Bettlerin', sagt Oharu und weigert sich, sich für einen schnellen Zahltag zu erniedrigen. 'Sie werden gekauft und bezahlt', antwortet ihr Chef kalt. 'Du bist nicht anders als ein Fisch auf dem Schneidebrett.'

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In der Tat muss „The Life of Oharu“ eine Reihe weiblicher Charaktere hervorbringen - eine geschätzte Dame, die für eine Konkubine gestorben ist, eine kranke Frau, die neidisch auf eine schönere Kurtisane ist, eine Musikerin, die kein Glück hat, eine ärgerliche Mutter - alle mehr oder weniger den Wünschen der Menschen unterworfen. Wenn Oharu Lady Matsudairas durchdringendem Blick begegnen muss, muss die Adlige die Anwesenheit einer anderen Frau in ihrer Ehe 'um des Clans willen' akzeptieren. Wenn Oharu die Freude des Herrn über die Geburt eines Erben feiern darf, kann die Dame das Kind entfernen, um es zu pflegen.

Gefangene des Geisterlandes

Diese gegensätzlichen Kräfte, diese Widersprüche kristallisieren sich inmitten ihrer ersten Begegnung heraus. Obwohl der Austausch still ist, enthüllen die hörbaren Worte der außerhalb des Bildschirms ablaufenden Theateraufführung den Raum zwischen der imaginären Leichtigkeit der Weiblichkeit („Durch Glück / Sie erhält / Dem Kaiserpalast / Was für eine glückliche Blume“) und der Dunkelheit Teint der tatsächlichen Erfahrung:

Kann das echt sein?

Es ist ihr Schicksal

Zu verwelken

Im Schatten.

Wie sich herausstellt, ist die einzige Lektion über karmische Vergeltung in diesem bitteren Meisterwerk Mizoguchis eigene. Im Leben - nein, in der Welt - von Oharu sind es die Frauen, die den Schmerz ertragen, und die Männer, die ihn zufügen.

'The Life of Oharu' ist ab sofort auf Blu-ray und DVD von der erhältlich Kriteriumsammlung.



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