CANNES REVIEW | 'Dornröschen' versetzt Emily Browning in eine sexuell unangenehme Lage

In einer frühen Szene von Julia Leighs „Dornröschen“ befiehlt die Inhaberin einer High-End-Prostitution Lucy (Emily Browning), sich bis auf die Unterhose auszuziehen. In diesem Moment streicheln die Herrin und ihre Assistentin fast jeden Zentimeter der Jugend aggressiv College-Studentenkörper. Ihre Hände wandern über ihren schlanken Körper und verharren kurz auf dem leichten Rest eines Maulwurfs, während Lucy ihre Einschätzung mit einem kältetoleranten Blick beobachtet. Es ist kaum das letzte Mal, dass sie wie eine Stoffpuppe in Leighs unbestreitbar gruseligem - wenn auch höchst betörendem - Sex-Thriller über die Verwirklichung dunkler Triebe behandelt wird.



Es dauert lange, bis „Dornröschen“ Lucy in seinen Bann gezogen wird, um sie in die Perspektive der namensgebenden sexuellen Fantasie zu ziehen. Der von langen Einstellungen und schwangeren Pausen geprägte Film basiert auf Lucys ständig mürrischem, kryptischem Ausdruck. Leigh, eine australische Romanautorin, die ihr Debüt auf der großen Leinwand gibt, verlässt sich fast ausschließlich auf einfallsreiches Verhalten, um eine Exposition zu liefern. Lucys ständige Wahrnehmung erreicht eine neue Ebene, wenn sie auf eine Werbung antwortet, in der sie für die Hauptrolle in einem Sexspiel vorspricht. Die Anforderung: Sie nimmt ein Medikament auf, das sie einschläfert, während zahlende Kunden mit ihrem schlaffen Körper tun, was sie wollen. Die einzige Regel, so die harte Managerin Clara (Rachael Blake), ist keine Penetration. Aber das ist kein Problem für die Männer, die Lucy missbrauchen, da sie alle verdorrt und machtlos sind.

wenn sich die Hände berühren

In diesem Szenario entwickelt „Dornröschen“ einen seltsamen viszeralen Rand. 'Ihre Vagina ist ein Tempel', sagt Clara Lucy, die geschockt aussieht. 'Meine Vagina ist kein Tempel', schießt sie zurück, als sehne sie sich nach einer schlechten Behandlung. Trotz dieses Eifers bekommt sie mehr, als sie erwartet hatte: Als Auditionerin für den Dornröschen-Auftritt arbeitet sie zunächst als Kellnerin für Dessous in einem merkwürdig schick gestylten Speisesaal, in dem sie in Unterhosen neben ernstgesichtigen Frauen in auffälligen Kostümen Alkohol serviert quetschen ihre Brüste wie Mini-Korsetts. Die Szene ähnelt etwas aus einem Matthew Barney-Film, aber mit einer spezifischen Dimension der psychologischen Erforschung, während sich „Dornröschen“ zu einer zunehmend bizarren Studie über voyeuristische Triebe entwickelt.



Es gibt viel zu überdenken in diesen exzentrischen Details, obwohl es Leigh an der Fähigkeit fehlt, die verschiedenen Stränge von Lucys Persönlichkeit zu verbinden, die dem Film eine stärkere emotionale Wirkung verliehen haben könnten. Als aufwändige, nervige Charakterstudie wirkt es jedoch auf einzigartige Weise rätselhaft. Lucys Verhalten kommt von einem logischen Ort, auch wenn wir nur Teile davon sehen. Sie führt ein zwingendes Doppelleben, verbringt Zeit zwischen Auftritten, die einem enttäuschten Bürojob gewidmet sind, verschwendet ihre Tage im Klassenzimmer und hängt mit ihrem alkoholkranken Kumpel Birdman (Ewan Leslie) zusammen. Leigh erklärt nie genug den Ursprung ihrer ungewöhnlichen Beziehung (abgesehen davon, dass Lucys Mutter auch eine starke Trinkerin ist). Leighs Drehbuch, das vor drei Jahren auf der Hollywood Black List stand, greift bewundernswerterweise auf umfangreiche visuelle Darstellungen anstelle von Dialogen zurück, um das Rückgrat seiner Handlung zu bilden.



Nicht weniger als die australische Kinoikone Jane Campion (die vielleicht ihren Platz im Hauptwettbewerb von Cannes erklärt) befürwortet Leighs erstes Mal hinter der Kamera hat eine vage Ähnlichkeit mit Campions Debüt, 1989s 'Sweetie'. Lucys Bereitschaft, ihren Körper aufzuwerten perverse Männer machen sie zu einer anderen Art von Biest als die inzestuöse Hauptrolle in Campions Film - obwohl die Mädchen in beiden Fällen mit Begeisterung Gefahr in ihr Leben einladen, während die Kamera sie genau beobachtet. Wie Sweetie ist Lucy dazu bestimmt, gegen eine Wand zu stoßen. Browning, die bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich für ihre Rollen in 'Lemony Snickets A Series of Unfortunate Events' und 'Sucker Punch' bekannt war, beweist sich hier als weitaus subtiler und beunruhigend reifer Stoff. Sie schafft es, die Geschichte durch ihre trockeneren Momente aufrechtzuerhalten.

ein Filmtrailer für Großbritannien

Die unvergesslichsten Szenen von „Dornröschen“ finden in der Kammer selbst statt, während drei Vorfälle stattfinden, in denen ältere Männer mit Brownings nacktem Körper spielen, sie beschimpfen und manchmal Schaden zufügen. Leigh zeigt den Zuschauern die Ereignisse, von denen sie in ihrem bewusstlosen Zustand nichts wissen kann, was sie jeden Morgen neugierig macht, nachdem sie die gespannte Möglichkeit impliziert, dass sie versuchen könnte, die schrecklichen Details aufzudecken. Leigh entwickelt jede Szene so, dass extreme Angst entsteht. Die Tragödie, die sich in den letzten Minuten ereignet, wird leider durch ihre beharrlich zerebrale Herangehensweise untergraben. Trotzdem gibt es nichts Märchenhaftes an dieser eindringlichen Geschichte, die selbst dann ein traumhaftes Gefühl bewahrt, wenn der abenteuerlustige Protagonist aufwacht.

WIE WIRD ES SPIELEN? Brownings Auftritt wird sicherlich Anerkennung finden, auch wenn der Film viele Zuschauer und Verleiher abschrecken wird, und Leigh (der mehrere andere Projekte in Arbeit hat) hat sich als Regisseurin fest auf die Liste gesetzt.

criticWIRE-Note: B +



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